Mit ihrer Tochter sowie ihrer Mutter war die Euthalerin Ramona Fuhrer-Schönbächler am Mittwoch auf der Bezirkswallfahrt nach Flüeli-Ranft. In ihrem Erlebnisbericht nimmt sie uns mit auf eine aussergewöhnliche Reise.
RAMONA FUHRER-SCHÖNBÄCHLER
«Happy Birthday» schallte es durch den Car, noch bevor die Wallfahrt richtig begonnen hatte. Die überraschten Augen meiner Tochter Emilia verrieten, dass sie mit diesem Geburtstagsständchen nicht gerechnet hatte. Denn genau an ihrem 10. Geburtstag durfte sie die Bezirkswallfahrt nach Sachseln erstmals erleben. Auch als Kommunionkind – wie ich vor rund 30 Jahren. Gemeinsam mit meiner Mutter Heidi machten wir uns auf den Weg – drei Generationen, die diesen besonderen Tag miteinander teilen durften.
Frühe Tagwache
Bereits um 7 Uhr startete der Car in Einsiedeln. Nach dem gemeinsamen Vaterunser hörten wir eine Geschichte über Bruder Klaus. Die Vorfreude auf den Wallfahrtstag war bei Gross und Klein spürbar. Die Fahrt verlief ohne Zwischenfälle und so erreichten wir Sachseln pünktlich. Um 9.15 Uhr begann die Eucharistiefeier in der Wallfahrtskirche Sachseln. Feierlich zogen die Kommunionkinder gemeinsam mit der Delegation aus Einsiedeln ein. Der Gottesdienst wurde von Pater Basil Höfliger, Pater Aaron Brunner, Pater Rafael Schlumpf und Vikar Markus Dettling gestaltet. Herzlich empfangen wurden wir zudem von Wallfahrtskaplan Ernst Fuchs und Priester Hermann Bruhin.
Predigt mit Witz und Charme
Die Wallfahrtspredigt von Bruhin drehte sich um das «hörende Herz». Mit Witz und Charme zog er auch die Kinder in seinen Bann. Es genüge nicht, nur mit den Ohren zuzuhören. Wer seine Mitmenschen wirklich verstehen wolle, müsse auch mit dem Herzen hören und auf die innere Stimme achten – so, wie es Bruder Klaus vorgelebt habe. Dieser Gedanke begleitete viele von uns durch den ganzen Tag. Eindrucksvoll war auch die Monstranz von Sachseln, in der Bruder Klaus als kleine Figur dargestellt ist.

Nach dem Gottesdienst konnten die Kinder im Pfarrheim den Film «Jugend erklärt Nikolaus von Flüe» anschauen. Wie aufmerksam sie zugehört hatten, zeigten ihre Antworten im anschliessenden Gespräch. «Dass man mit 16 Jahren schon erwachsen war», meinte ein Kind. Andere staunten darüber, wie sehr sich das Leben seit der Zeit von Bruder Klaus verändert hat oder wie schwer es für ihn gewesen sein musste, seine Familie zu verlassen. Beeindruckt waren die Kinder auch davon, dass Bruder Klaus 1481 mithalf, einen Bürgerkrieg innerhalb der Eidgenossenschaft zu verhindern.
Fröhliches und ungezwungenes Beisammensein
Zum Mittagessen führte die Wallfahrt weiter nach Flüeli. Während einige das Mittagessen im Restaurant genossen, trafen sich andere rund um die Feuerstellen zum Grillieren. Die sommerliche Hitze war an diesem Tag allgegenwärtig. Viele gönnten sich ein Glace oder sorgten mit einer Flasche Wasser für eine willkommene Abkühlung. Trotz der hohen Temperaturen war die Stimmung fröhlich und ungezwungen.
Besonders berührend waren die Begegnungen zwischen den Generationen. Ein Grossvater erzählte: «Vor 50 Jahren war ich das letzte Mal in Flüeli. Heute darf ich diesen Ort gemeinsam mit meiner Enkeltochter erleben, die zum ersten Mal hier ist.» Eine Mutter erinnerte sich an ihre eigene Kindheit: «Ich weiss noch, wie ich selbst als Kind hier war. Damals war es windig und kalt. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Kapelle von Bruder Klaus mit seinem Stein als Kopfkissen.»
Kreatives Nachmittagsprogramm
Am Nachmittag gestalteten die Kinder mit viel Freude persönliche Armbänder oder Schlüsselanhänger. Um 15 Uhr feierten die Erwachsenen eine Andacht in der Kapelle von Flüeli, während die Kinder mit ihren Begleitpersonen die untere Ranftkapelle besuchten. Dort entzündeten sie Kerzen und erlebten die besondere Stille dieses geschichtsträchtigen Ortes – ein Moment, der viele tief beeindruckte.
Den würdigen Abschluss bildete um 16.15 Uhr der persönliche Segen mit der Reliquie des heiligen Bruder Klaus in der Wallfahrtskirche Sachseln. Auf der Rückfahrt nach Einsiedeln wurde mir bewusst, was diesen Tag so besonders gemacht hatte: Es war nicht nur der feierliche Gottesdienst oder das abwechslungsreiche Programm. Es waren die Zeit mit meiner Mutter und meiner Tochter, die eindrucksvolle Natur, die vielen herzlichen Begegnungen und Gespräche sowie die Botschaft von Bruder Klaus, mit einem hörenden Herzen durchs Leben zu gehen. Genau diese Mischung machte die Bezirkswallfahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Fotos von Shadowlight